Sonntag, 2. Oktober 2016 - La Camargue

Wie langweilig ich die Camargue in Erinnerung hatte! Landschaftflich absolut uninteressant, da flach. Irgendwann kommt das Meer, dessen Ufer im Vergleich zum Wattenmeer oder den Kreidefelsen auf Rügen nichtssagend und austauschbar ist. Die Pferde sind überhaupt nicht wild, sondern entweder nur auf Postkarten oder dienen dem Ponyreiten gelangweilter Touristen, die sonst keine Ideen haben.

 

Und wie schwer ich irrte! Das Meer ist immer noch weitgehend austauschbar, aber an seinen Ufern stehen zahlreiche Vögel. Wie hübsch die Kuh- und Seidenreiher sind und was für ein Jammer, dass zu Hause bestenfalls Grau- und Silberreiher herumstaksen. Lachmöwen kann ich zwar auch am Rhein sehen, im schönen Sonnenaufgangsrot sind sie aber trotzdem willkommene Fotomotive. Den für die Camargue typischen Flamingo finde ich in seiner Form ja eher merkwürdig, hat man mehrere von ihnen im Bildausschnitt, bewegt sich mindestens einer unvorteilhaft und alles in allem sind es eben keine Kuhreiher 🙂 Landschaftlich ist die Camargue natürlich flach, aber keineswegs langweilig. Ich wusste gar nicht, wo ich am liebsten und am schnellsten anhalten wollte (Lukas fuhr rational denkend – und wohl auch sinnvollerweise – einfach weiter). Die Straßen und Ufer sind gesäumt von dickblättrigen, salztoleranten Pflanzen, in erster Linie wohl Queller, Salzmelde, Salz-Alant und Strandflieder. Dazwischen klammern sich windschief die Tamarisken. Als wäre das nicht schön genug, sitzen geradezu unverschämt viele Libellen darin und ganz entzückende kleine Vögelchen – der Cistensänger ist mir in lebhafter Erinnerung. Sein Gesang ist noch einfallsloser als der des Zilpzalps (der macht ja wenigstens zilp-zalp-zilp-zilp-zalp, während der Cistensänger ressourcensparend zip von sich gibt), aber er wirkt so sympathisch, wenn er plötzlich ganz still und gar nicht scheu auf den Spitzen der Vegetation auftaucht. In Folge meiner Cistensänger-Freude fotografierte ich sie, wann es nur ging – und in ornithologischer Unwissenheit habe ich dabei ganz unbeabsichtigt einen Orpheusspötter portraitiert.

Jetzt im Sommer verwandelten sich die nicht-bewachsenen Uferstellen in der Trockenheit zu rauen Erdschollen, auf denen sich kontrastierend das weiße Salz absetzte. Alles in allem bin ich mehr als versöhnt mit der Camargue und nehme meine früheren Anschuldigungen zurück – nur die Ponyreiten-Pferde bleiben mir suspekt, zumal, wenn sie im schönsten Licht durch den zu fotografierenden Vogelschwarm trampeln und kurz danach die Stechmücken erscheinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Geschrieben am: 2. Oktober 2016 von Magdalena in Farben und Formen, Insekten, Landschaften, Pflanzen, Vögel. 0 Kommentare.



Freitag, 16. September 2016 - von Türen, Fenstern und Balkonen

 

Kein Urlaub ohne fotografierte Türen. Und in Südfrankreich gilt natürlich zusätzlich: Kein Urlaub ohne fotografierten Balkon. Die schmiedeeisernen Gitter, wie sie insbesondere in Aix-en-Provence zu bewundern sind, erfreuen mich immer wieder aufs Neue. Die neuen und schönen genauso wie die alten und rostigen. Die Frage, ob ich als Fotograf eigentlich eine Eigenleistung bei Architekturfotografie erbringe, ob ich mich als Fotograf so weit möglich zurück nehme und damit das Bauwerk würdige oder ob ich es durch meine eigene fotografische Sichtweise zu etwas „Neuem“ machen kann, wurde auch im August wieder erörtert und fand keine wirklich allumfassende Antwort. Ich weiß es nicht und erfreue mich weiterhin an den schönen Bauwerken – auch (oder besonders?) an den zerfallenden. Damit auch die Naturfotofreunde auf ihre Kosten kommen, hat sich wieder eine Spanische Fahne auf einer Tür eingefunden (hegt diese Art auch eine Vorliebe für Türen? Schon letztes Jahr war es die Spanische Fahne, jene hatte sich allerdings eine etwas fotogenere Türe gesucht, aus ordentlichem altem Holz und nicht in mülltonnengrün).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschrieben am: 16. September 2016 von Magdalena in Farben und Formen, Insekten, Stadt / Zivilisation. 0 Kommentare.



Dienstag, 6. September 2016 - La Crau

Der Reiseführer schreibt: „Schön ist es hier gewiss nicht, aber es wird deutlich, dass selbst ein solches Traumland wie die Provence seine Schattenseiten hat.“

La Crau ist eine viele Quadratkilometer große Ebene. Das ist freundlich ausgedrückt. Die Crau sind: Steine, Sonne, Wind. Und: Vögel, die aussehen wie Steine.

 

 

Die Crau ist das blühende Leben! Es ist irgendwie verrückt, auf den ersten Blick sieht sie tatsächlich „nicht schön“ und sehr lebensunfreundlich aus. Sie wird aber von einer Vielzahl großinsektenfressender Vögel bewohnt. Die Großinsekten leben entsprechend der Nahrungskette von kleinen Insekten. Es wimmelt vor Insekten, man kann kaum einen Schritt vor den anderen machen, und es stieben Unmengen kleiner Wirbellose davon. So in etwa muss es nach dem Einfall der Wanderheuschrecken aussehen – alles kahl, viele Insekten. Die Basis jeder Nahrungskette bilden die Pflanzen. Sie sind die einzigen Lebewesen, die sozusagen aus „nichts“, also ohne Aufnahme anderer Lebewesen, nur aus Licht, Erde und Wasser neue Biomasse produzieren können. Und das ist das seltsame – denn natürlich gibt es drei verknorzte Bäume und einige äußerst stachelige Asteraceae und den Bärtigen Hafer. Sie machen aus der „Steinwüste Crau“ die „Steppe Crau“, die immer noch wie eine Steinwüste wirkt. Es ist für mich nur schwer vorstellbar, dass dies reicht, um diese Menge an Insekten und Vögel zu ernähren, da immer nur etwa 10% der aufgenommenen Biomasse an die nächste Stufe weitergegeben wird (den Rest benötigt man für Wärme, Stoffwechsel, Wachstum, Haarausfall usw). Im Übrigen sieht die Vegetation so aus, als würde sie bereits trocken und verstaubt aus der Erde kommen und niemals grün werden oder gewesen sein. Gewiss, es gibt direkt neben der Crau den berüchtigten Libellenbach und die Felder in der Umgebung werden bewässert und sind grün. Aber die Insekten fliegen doch nicht alle dorthin, essen ein bisschen Pflanze und verteilen sich dann wieder gleichmäßig in der Steinwüste, damit die steinartigen Vögel etwas zu fressen haben, ohne ihre Tarnung aufzugeben? Oder doch?

Wie auch immer es sein mag, ich stimme dem Reiseführer nicht zu. Die Crau ist ein wunderbarer Lebensraum mit einer Schönheit, die vielleicht nicht auf den ersten Blick zu Tage tritt. Des Weiteren erschließt sich mir auch der kausale Zusammenhang zwischen einem Traumland und der Schattenseite nicht, aber das ist eigentlich auch egal. Denn „Schattenseite“ ist auch keine passende Metapher für eine vollsonnige Steppe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschrieben am: 6. September 2016 von Magdalena in Farben und Formen, Insekten, Landschaften, Pflanzen, Vögel. 0 Kommentare.



Dienstag, 30. August 2016 - Große Beute

Diese Wespe beobachteten wir mit einer Gottesanbeterin als Beute. So schwer beladen konnte sie kaum bis unters Dach fliegen, was offenbar ihr Ziel war. Jede Idee zur genaueren Bestimmung wird gerne angenommen! Danke.

Geschrieben am: 30. August 2016 von Magdalena in Insekten. 0 Kommentare.



Mittwoch, 6. April 2016 - Frühlingsrückblick am Kaiserstuhl

 

Spät blogge ich die Bilder unseres Mai-Ausflugs an den Kaiserstuhl mit wenig Spektakulärem, aber mit schönen Erinnerungen: obligatorischer Schmetterlingshaft, Farben-und-Formen-Schnecken-Rinde, zeitlich passender Maikäfer und Flaschenamsel.

 

 

Geschrieben am: 6. April 2016 von Magdalena in Farben und Formen, Insekten, Vögel. 1 Kommentar.



Donnerstag, 15. Oktober 2015 - Marienkäfertarnung
Marienkäfertarnung

Marienkäfertarnung

dieser kleine gelbe Marienkäfer wuselte fast unsichtbar auf und zwischen den farblich passenden gelben Flechten umher – Tarntier endlich mal ohne langweilig-graue Grundfarbe!

Geschrieben am: 15. Oktober 2015 von Magdalena in Farben und Formen, Insekten. 2 Kommentare.



Mittwoch, 7. Oktober 2015 - Elsässische Falter
Feld-Mannstreu unter Wolken

Feld-Mannstreu unter Wolken

 

Wie im Vogesen-Post schon angekündigt, fuhren Joachim, Torsten und ich nach der Gämsenfotografie aus den Wolken hinunter zu einem Trockenrasen. Auch hier blieben die Wolken aber ein ständiger Wegbegleiter. In jeder Richtung sah der Himmel anders aus, sodass ich mich neben den Faltern auch den Wolken widmete.

 

Wolken

Wolken

 

Silbergrüner Bläuling

Silbergrüner Bläuling

 

Silbergrüner Bläuling

Silbergrüner Bläuling

Geschrieben am: 7. Oktober 2015 von Magdalena in Insekten, Landschaften. 1 Kommentar.



Samstag, 14. März 2015 - Leben in der Trockenmauer

Mauer mit Gecko

 

Nicht weit von unserem Wohnort entfernt (genauer: nach einem Aufstieg von ca. 800 Stufen), fanden sich einige große Stücke Trockenmauer. Das wie ich finde schöne daran: Die stehen da einfach und sind nicht primär angelegt, um für verschiedene Tiere und Pflanzen einen Lebensraum zu schaffen, sondern sind eben eine Mauer. Sie stützen den Berg und ziehen sich durch das Dorf, ganz selbstverständlich. Und ebenso selbstverständlich sind sie nicht verputzt, der Anblick von Geckos und Eidechsen, Spinnen und Käfern gehört ganz normal zum Alltag dazu.

Käfer

 

Springspinne

 

Springspinne

 

Ist ein Stückchen Mauer dann doch mal ganz glatt und unwirtlich, dann finden die Tiere dort andere Wohnmöglichkeiten:

Ausguck

 

Meine bisher einzige Begegnung mit einem frei lebenden Gecko war in Südfrankreich. Dort noch ein Highlight, wurden die Geckos hier fast alltäglich. Während eines Spaziergangs etwa ein Dutzend Geckos zu sehen, war gar nicht schwer. Und wahrscheinlich liefen wir an vielen vorbei, ohne sie entdeckt zu haben. In den dicken Spalten zwischen den Mauern zogen sich die großen und dicken Exemplare zurück – ein Vielfaches in der Größe „meines“ provencalischen Geckos.

Mauergecko

 

Mauergecko

 

Man sollte ja meinen, dass Reptilien in ihrem Panzer vor Eindringlingen gut geschützt sind, doch auch sie werden von Milben befallen. Rot leuchtend fallen sie sofort auf:

Mauergecko mit Milben

 

In der Nachbarschaft der Geckos leben Mauereidechsen, in Italien eben die italienische Variante:

Eidechse

 

Zu jeder Trockenmauer gehören außerdem Schnecken und die von den Gärten oberhalb herabhängenden Pflanzen:

Schneckenhaus

 

herabhängend

 

Ihre Lebensweise inmitten des Ortes (und vermutlich auch ihre gute Tarnung, oft genug wurden andere Spaziergänger erst durch unsere Fotografie auf die Tiere aufmerksam) führt zu einer gewissen stoischen und Annäherungen gegenüber toleranten Haltung und die Geckos lassen sich seelenruhig mit dem Makro fotografieren:

Mauergecko

 

Mauergecko

 

Im Abendlicht bekommt die Mauer warme Farben und die Augen der Geckos beginnen zu leuchten:

in der Mauerspalte

Geschrieben am: 14. März 2015 von Magdalena in Amphibien u. Reptilien, Insekten, Italien, Pflanzen, Spinnen und Spinnennetze. 1 Kommentar.



Samstag, 6. Dezember 2014 - Herbst bei den Tarntieren

Tarntier im bunten Herbstblaub

 

Im Novemberwald fanden wir auch diese Tiere – möglicherweise ebenfalls Frostspannermännchen?

Während die Tiere Mitte November noch durch den Wald flogen, fanden wir zwei Wochen später praktisch nur noch entkräftet durch das Laub krabbelnde oder schon tote Falter.

tot zwischen Buchenlaub

Geschrieben am: 6. Dezember 2014 von Magdalena in Insekten. 1 Kommentar.



Samstag, 29. November 2014 - Frostspanner

Zwei Tarntiere

 

Auf unseren Spaziergängen durch den Wald halten wir auch immer wieder Ausschau nach „Tarntieren“. Und wir wurden fündig. Im oberen Bild haben sich gleich zwei Wirbellose versteckt:

Weberknecht

 

und:

Flugunfähiges Frostspannerweibchen

 

Zunächst links oben ein Weberknecht – vielleicht besser getarnt, aber irgendwie auch bekannt. Und dann rechts unten etwas auffallender ein, ja, was denn? Ein komisches dickliches Tier. Das Weibchen eines Frostspanners (Operophtera),¬† wahrscheinlich¬†Agriopis aurantiaria /Orangegelber Frostspanner haben eine hoch interessante Biologie. Zuallererst fällt der ausgeprägte Sexualdimorphismus auf, dass also Weibchen und Männchen sehr unterschiedlich aussehen: Das Weibchen ist flugunfähig und dick, das Männchen entspricht dagegen schon eher der allgemeinen Vorstellung eines Falters:

Frostspannermännchen

 

Da das Weibchen flugunfähig ist, kann es ja die Eier nicht im ganzen Wald verteilen. Und damit nicht an Ort und Stelle lauter neue flugunfähige Weibchen und flugfähige Männchen schlüpfen, die dann ein Leben lang den immer gleichen Baum kahl fressern, müssen sich eben die Raupen fortbewegen. Frisch geschlüpft spinnen sie einen dünnen Faden und lassen sich vom Wind mitnehmen, ähnlich Spinnen. Mit Glück bleiben sie dann an einer Futterpflanze haften. Die Eier werden in Rindenritzen abgelegt. Die Raupen schlüpfen im Frühjahr, fliegen durch die Lande und fressen dann junge Blätter ihrer Wirtsbäume. Daher gilt der Frostspanner auch als Forstschädling, da er die Bäume (Ahorn, Buche, Hainbuche und andere Laubbäume) regelrecht kahlfressen kann. Zur Bekämpfung werden Leimringe ausgebracht, an denen die Weibchen kleben bleiben und dort ihre Eier ablegen und welche dann wieder entfernt werden. Die Verpuppung erfolgt im Boden und die adulten Tiere, die übrigens keine Mundwerkzeuge und somit nur eine sehr kurze Lebensdauer als Falter haben, erscheinen oft erst nach dem ersten Frost. Das erklärt, warum wir im November so viele von ihnen fanden.

Frostspannermännchen

Geschrieben am: 29. November 2014 von Magdalena in Artenportrait, Insekten, Spinnen und Spinnennetze, Wissenswertes. 0 Kommentare.



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