Freitag, 23. November 2012 - Leben im Insektenhotel: Spinnenjäger 2

Trypoxylon figulus,vom 3. August 2012

 

Es gibt Grabwespen, die ganz entgegen ihrem Namen nicht graben, sondern ihre Nester in Nisthilfen anlegen. Dazu gehört Trypoxylon figulus, die Töpfergrabwespe, eine große (Weibchen bis 12mm lang) und schwarze Art. T.figulus fliegt von Mai bis September und ist überall häufig.

Trypoxylon figulus,vom 3. August 2012

 

Wie bei anderen Nisthilfen-Bewohnern auch, legt T. figulus mehrere Nester hintereinander an, die mit einer Lehmwand getrennt werden. Auch der Nestverschluss ist aus Lehm. Als Nahrung für den Nachwuchs dienen Spinnen, v.a. Kugel- Radnetz und Baldachinspinnen. Jede Brutzelle enthält dabei bis zu 20Spinnen!

Trypoxylon figulus, trägt eine Spinne ein, vom 8. August 2012

 

Die Bestimmung von Trypoxylon ist schwierig! Das typische Gattungsmerkmal sind die nierenförmig ausgerandeten Augen. Es gibt zwei Artengruppen T. figulus und T. attenatum, deren Unterscheidungsmerkmal der Abstand zwischen den Augen am Scheitel im Verhältnis zum Abstand der Augen am Mundrand ist. Bei T. figulus ist der Abstand etwa gleich weit, bei T. attenatum am Mundrand größer. Innerhalb der Artengruppe T. figulus gibt es mehrere Arten, die anhand von Fotos aber nicht mit Sicherheit zu bestimmen sind.

Trypoxylon figulus, vom 8. August 2012

 

Auch Trypoxlon hat einen Parasiten, eine grüne Goldwespe: Trichrysis cyanea:

Goldwespe Trichrysis cyanea, Parasit von Trypoxylon, vom 9. August 2012

 

Literatur: Bellmann, Heiko: Bienen Wespen Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas, Stuttgart 2005.

Blösch, Manfred: Grabwespen. Illustrierter Katalog der einhemischen Arten, Hohenwarsleben 2012.

Geschrieben am: 23. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Mittwoch, 21. November 2012 - Leben im Insektenhotel: Spinnenjäger 1

Wegwespen jagen Spinnen und tragen diese gelähmt als Futtervorrat für ihre Brut ein. Einige wenige Wegwespen nisten auch in Nisthilfen, z.B. Agenioideus. Wie alle Wegwespen ist auch diese unglaublich unruhig und schnell unterwegs. Die Bestimmung der Tiere ist schwer, lässt sich aber ein bisschen über die Beutetiere eingrenzen. Die bei mir nistende Art jagt Springspinnen – auf dem Foto die hier häufige und große Marpissa muscosa. Daher ist es wahrscheinlich die in Siedlungsbereichen häufige Agenioideus cinctellus. Der Nestverschluss von Agenioideus besteht aus Pflanzenfasern und Holzteilchen.

Wegwespe Agenioideus trägt eine Sprinngspinne, Marpissa muscosa, vom 5. Juli 2012

Geschrieben am: 21. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 1 Kommentar.



Montag, 19. November 2012 - Leben im Insektenhotel: Parasiten

Trauerschweber (Anthrax anthrax); 27. Juni 2012

 

Neben den bereits vorgestellten Parasitoiden konnte ich noch zwei weitere Arten beobachten: einen Trauerschweber und eine Erzwespe.

Der Tauerschweber (Anthrax anthrax) gehört in die gleiche Familie wie der bekanntere Wollschweber. Seinen Namen verdankt er den schwarzen Flügelbinden. Die Larven entwickeln sich parasitisch in Bienenlarven und scheinen ein relativ weites Wirtsspektrum zu haben. Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Parasitoiden krabbelt der Trauerschweber nicht in das Bienennest hinein,vermutlich weil er keine ausreichende Panzerung gegen den Stachel hat, sondern schmeißt seine Eier im Flug so ab, dass sie an den Eingang der Niströhre fallen. Daraus schlüpft eine kleine Larve, die zügig in das Nest der Biene wandert (vermutlich über den Geruchssinn geleitet), um sich dann dort unbemerkt entwickeln zu können. Bei Anthrax anthrax handelt es sich tatsächlich um einen Parasiten: er „zapft“ regelrecht die Bienenlarve an, um sich von den austretenden Körpersäften zu ernähren. Nachdem die Biene einen Kokon zur Verpuppung gesponnen hat, saugt er sie dann vollständig aus. Die Puppe des Trauerschwebers ist stark behaart und hat sechs Zähnchen, die ihm mit rotierenden Bewegungen das Äffnen und Verlassen des Nestes erlauben. Der adulte Trauerschweber wäre dazu nicht in der Lage.

Anthrax anthrax im Flug beim Abwerfen der Eier, am Hinterleib sind die Eier (weiß) zu erkennen:

Trauerschweber (Anthrax anthrax) beim Abwerfen der Eier im Flug; 27. Juni 2012

 

Bevor er die Eier abwirft, wälz er sie sitzend oder schwebend (ähnlich dem Kolibriflug) in trockener Erde oder Holzmehl, das er in der Nähe des Nisthilfe findet. Wahrscheinlich tarnt er damit die Eier vor der Biene, evtl. bietet der Staub auch UV-Schutz.

Trauerschweber (Anthrax anthrax) wälzt das Hinterleib in lockerer Erde und Holzmehl; 7. Juli 2012

 

Die Erzwespe ist ein ausgesprochen winziger Parasit, dennoch ist dieses Exemplar für seine Familie ziemlich groß. Der Legebohrer ist gut zu erkennen. Die Erzwespenbestimung ist ausgesprochen schwierig und anhand eines Fotos wohl unmöglich (über 2000Arten in Deutschland). Ob diese Erzwespe tatsächlich einen passenden Wirt an meiner Nisthilfe gefunden hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aufgrund ihrer Größe kann sie in schlecht verschlossene Bienennester auch später noch eindringen

Erzwespe; 3. August 2012

 

Literaturhinweise
http://www.wildbienen.de/wbi-p871.htm

http://www.arthropods.de/insecta/diptera/bombyliidae/anthraxAnthrax01.htm

http://www.arthropods.de/insecta/hymenoptera/torymidae/monodontomerusObsoletus01.htm

Geschrieben am: 19. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Pemphredon/Passaloecus, Blattlauswespe; 6. Juli 2012

 

Die Blattlauswespen gehören mit ca. 7mm Körperlänge wohl zu den kleinsten Bewohnern des Insektenhotels: Sie nisten in den Bohrungen mit 1 und 2mm Durchmesser. Wie ihr Name schon sagt, tragen sie als Futter für ihre Brut Blattläuse ein. Und dabei sind sie richtig fleißig: In einen Nistgang kann ein Weibchen bis zu 70 Blattläuse eintragen – ein Weibchen legt ca. 10 Nester an und es gibt mehrere Generationen pro Jahr. Die Blattläuse werden wohl nicht durch einen Stich gelähmt, wie bei anderen Grabwespen üblich, sondern durch „zerquetschen“ mit den Beißwerkzeugen getötet. Bei den Blattlauswespen handelt es sich um die beiden Gattungen Pemphredon und Passaloecus, die sich ohne Mikroskop fast nicht bestimmen lassen.

Pemphredon/Passaloecus, Blattlauswespe, beim Bau des Nestverschlusses; 27. Juni 2012

 

Einige Arten bilden die Zwischenwände im Nest und den Nestverschluss aus Baumharz. Manchmal wird auch ein charakteristischer Harzring, eine „Sicherheitsbarriere“ aus Harztröpfchen, um das Nest herum angelegt. Bei Passaloecus eremita lässt sich der Verschluss eindeutig bestimmen: Diese Art verwendet nur Kiefernharz, welches milchig weiß erscheint. Beim folgenden Foto ist diese Sicherheitsbarriere gut zu sehen, doch konnte sie offenbar das Nest nicht fertig bauen. Der Verschluss passt nicht und das Nest wurde offenbar von einer anderen Passaloecus übernommen:

Nestverschluss und Sicherheitsbarriere, ursprl. von Passaloecus eremita, Blattlauswespe, dann überbaut; 28. Juni 2012

 

Auch hier ist gut der Harzring zu sehen:

Nestverschluss und Sicherheitsbarriere von Passaloecus spec, Blattlauswespe; 26. Juli 2012

 

Literatur: Blösch, Manfred: Grabwespen. Illustrierter Katalog der einheimischen Arten, Hohenwarsleben 2012.

Geschrieben am: 17. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Donnerstag, 15. November 2012 - Leben im Insektenhotel: Anthidium und Chelostoma

Männchen der Wollbiene, Anthidium oblongatum, auf Sedum, vom 8. Juli 2012

 

Durch die Beobachtungen am Insektenhotel achtet man insgesamt mehr auf Hautflügler im Garten und so begegnete ich einigen weiteren Arten, die auch mit dem Insektenhotel in Verbindung stehen.¬† Die etwas dickliche Wollbiene (Anthidium) baut ihre Nester in Hohlräumen (nicht in den Nisthilfen), in die von Pflanzen abgeschabte „Wolle“ (z.B. die Behaarung der Königskerze) eingetragen wird, und nutzt große Bohrungen der Nisthilfe aber zum Schlafen:

Wollbiene, Anthidium, schläft in einer Nisthilfe, vom 26. Juli 2012

 

Für die Bestimmung wichtig sind die grünen Augen und die orange-gelben Beine. Anthidium oblongatum fliegt sehr unruhig und zackig, steht selten kurz in der Luft und hat eine Vorliebe für Sedum und Sempervivum (Mauerpfeffer und Dachwurz, typische Pflanzen im Steingarten):

Männchen der Wollbiene, Anthidium oblongatum, auf Sedum, vom 8. Juli 2012

 

Auf einem gemeinsamen Fotoausflug konnte Robert Severitt dann noch die bei uns häufigste Art, Anthidium manicatum, fotografieren, das sich als Landeplatz das Stativ aussuchte:

Wollbiene, Anthidium manicatum, 4. August 2012

 

Einige Solitärbienen schlafen bevorzugt in Glockenblumen bzw. allgemein in lila Blüten. Einer der häufigsten Glockenblumenschläfer ist die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma (Osima) rapunculi), die auch Nisthilfen annimmt. Diese Art ist auf Glockenblumen spezialisiert und ist vor allem im Juli und August anzutreffen.

Männchen von Chelostoma rapunculi (Glockenblumen-Scherenbiene) schläft in einer Gockenblume, 4. Juli 2012

 

Männchen von Chelostoma (Osima) campanularum nimmt auch andere violette Blüten wie den Storchschnabel als Schlafplatz an, ist als Pollenquelle aber auch auf Glockenblumen spezialisiert:

Männchen von Chelostoma campanularum auf einer Storchschnabelblüte als Rastplatz, 9. Juli 2012

 

Der Netsverschluss von Chelostoma verfärbt sich im Laufe des Jahres schwarz, was auch auf das umegbende Material (Holz, Bambusröhrchen,…) übergreift. Es handelt sich dabei um einen Pilz, den die Biene vermutlich im Speichel mitbringt und der vielleicht der Tarnung des Nestes dient.

 

Literatur: Amiet, Felix und Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Bern/Stuttgart/Wien 2012.

Westrich, Paul: Wildbienen. Die anderen Bienen, München 2011.

 

Geschrieben am: 15. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. Kommentare deaktiviert für Leben im Insektenhotel: Anthidium und Chelostoma.



Dienstag, 13. November 2012 - Leben im Insektenhotel: Baumeister Löcherbiene

Löcherbiene, Heriades truncorum; 3. Juli 2012

 

Löcherbiene, Heriades truncorum; 9. August 2012

 

Die Löcherbiene (Heriades truncorum, Syn.: Osima truncorum) war mit Abstand die aktivste und „bauwütigste“ Bewohnerin der Nisthilfe und die am stärksten bei mir vertretene Art. Sie fliegt von Juni bis in den Oktober. Die Löcherbiene hat ihren Namen ganz einfach daher, dass sie in Löchern nistet – und nach meinen Beobachtungen relativ größenunabhängig. Bevorzugt werden zwar passende Löcher mit 3-4mm Durchmesser, doch als fast alle Löcher dieser Größe belegt waren, quetschten sich die einen in 2mm-Löcher und die anderen nahmen Löcher bis zu 7mm Durchmesser und verarbeiteten einfach etwas mehr Bausubstanz.

Löcherbienen nehmen sowohl für die Trennwände zwischen den einzelnen Eiern und Pollen als auch für den äußeren endgültigen Verschluss Baumharz, das sie mit ihren Mandibeln formen und anbringen. Einige „tarnen“ den Verschluss noch zusätzlich, indem sie kleine Steinchen und/oder Holzstückchen aufkleben. Und weil der Baum so weit weg ist und so viele Löcherbienen an der Nisthilfe sind, klauen sie auch ganz gerne mal bei der Nachbarin.

Löcherbiene, Heriades truncorum, baut einen Harzverschluss und tarnt ihn mit kleinen Steinchen

 

Diese Verhalten geht so weit, dass sie bei Platzmangel auch andere Nester wieder ausräumen. Teilweise geschieht dies sogar während der Bauphase und bei ausreichend Platzangebot: Deutlich wird das an den kleinen Pollenhäufchen, die unter den Bohrungen liegen. Dieser Pollen wurde von Löcherbiene 1 eingetragen für ihre Brut, und aber dann von Löcherbiene 2 wieder ausgeräumt, um ihrerseits den eigenen Pollen und die eigene Brut in dieser Bohrung unterzubringen – was eine regelrechte Verschwendung ist, da die Löcherbiene im Durchschnitt 34mal ausfliegt, um Pollen für eine Brutzelle zu sammeln! Sie überbauen aber auch andere Nester – der Lehmverschluss stammt von Ancistocerus:

Löcherbiene, Heriades truncorum, bei einem Nest einer Lehmwespe; 5. Juli 2012

 

Löcherbienen besuchen nur Körbchenblütler (Asteraceae) und gehören zu den Bauchsammlerbienen. D.h. sie sammeln den Pollen nicht wie die Honigbiene an ihren Hinterbeinen, sondern haben an ihrem Bauch eine Sammelbürste. Der Pollen wird durch eine charakteristisch auf und ab tupfende / trommelnde Weise auf der Blüte aufgenommen.

Löcherbiene, Heriades truncorum, beim Pollen sammeln; 9. August 2012

 

Der Pollen dient als Nahrung für den Nachwuchs. Um den Pollen in die Röhre zu bringen und das Ei abzulegen, schlüpft die Löcherbiene mit dem Hinterleib zuerst in ihr Nest:

Löcherbiene, Heriades truncorum; 3. Juli 2012

 

Löcherbiene, Heriades truncorum; 3. Juli 2012

 

Löcherbiene, Heriades truncorum; 3. Juli 2012

 

Auch Löcherbienen haben Parasitoide/Kuckucke (=beseitigt zwar die Wirtslarve, frisst aber nur den Pollenvorrat): Ein Kuckuck ist die Keulenwespe Sapygina decemguttata, eine wie ich finde sehr hübsche Wespe. Sie ist sehr lang und schlank (eben „keulenförmig“), hat eine leichte weiße Zeichnung auf dem Hinterleib und einen leicht bläulichen Glanz. Beim Flug hat sie eine gebogene Haltung und erinnert etwas an ein U. Auf widlbienen.info gibt es einen Artikel über die Biologie dieser Wespen.

Keulenwespe, Sapygina decemguttata, Kuckuck von H. truncorum; 5. Juli 2012

 

Keulenwespe, Sapygina decemguttata, Kuckuck von H. truncorum; 5. Juli 2012

 

Sie verhält sich an der Nisthilfe sehr ruhig, manchmal sitzt sie fast regunglos, und beobachtet die Löcherbiene, um im entscheidenden Moment der Abwesenheit rückwärts in das Nest der Löcherbiene zu gehen und ihr Ei abzulegen. Bei der Eiablage haften gebliebene Pollenreste am Hinterleibsende schüttelt sie auf charaktersitische Weise ab. Das mit Lehm gefüllte Loch auf den Fotos gehört zur Mauerbiene Osima bicornis.

Keulenwespe, Sapygina decemguttata, Kuckuck von H. truncorum bei der Eiablage; 7. Juli 2012

 

Der zweite Kuckuck der Löcherbiene ist die Düsterbiene Stelis breviuscula, die dem Wirt extrem ähnlich sieht. Sie ist etwas dunkler, „pummeliger“ und hat keine Bauchbürste. Im Hintergrund des Fotos sieht man den von den Löcherbienen gegenseitig ausgeräumten Pollen.

Düsterbiene, Stelis breviuscula, Kuckuck von H. truncorum; 27.7.2012

 

Literatur:

Amiet, Felix und Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweisen, Beobachtung, Bern/Stuttgart/Wien 2012.

Bellmann, Heiko: Biene Wespen Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas, Stuttgart 2005.

Westrich, Paul: Wildbienen. Die anderen Bienen, München 2011.

 

Geschrieben am: 13. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 1 Kommentar.



Maskenbienen (Gattung Hylaeus) sind schwarze kleine, wenig behaarte Bienen mit einer gering ausfallenden gelben oder weißen Zeichnung, die im Gesicht sehr charakteristisch ist. Die Bestimmung ist ziemlich schwierig. Typisch ist der Verschluss des Nestes sowie die Zwischenwände (Maskenbienen legen wie viele andere Arten mehrere Brutzellen hintereinander an): Der Verschluss wird aus Speichelsekret gewonnen und bildet getrocknet ein dünnes, milchig/seidig-transparent erscheinendes Häutchen. Maskenbienen haben meist nur eine Generation im Jahr, doch bei einem Nest konnte ich den Schlupf des ersten Tieres beobachten.

Weibchen mit charakteristischer Kopfzeichnung:

Maskenbiene, Hylaeus, Weibchen; 27.6.2012

 

Der seidenartige Verschluss:

Verschluss der Maskenbiene, Hylaeus; 29.6.2012

 

Ein erstes Maskenbienenmännchen schlüpft und beißt sich zuerst mit den Mundwerkzeugen durch den seidigen Verschluss:

Maskenbiene, Hylaeus, Männchen, frisch geschlüpft und beißt den Verschluss auf; 11.7.2012

 

Maskenbiene, Hylaeus, Männchen, frisch geschlüpft; 11.7.2012

 

Auch zur Maskenbiene fand sich schnell ein Parasit am Insektenhotel ein: Gichtwespen (Gattung Gasteruption). Die Gichtwespe war über dem Nest der Maskenbiene und bohrte in das Holz knapp neben die Nestöffnung (dies machen viele Parasiten, obwohl der Verschluss der Maskenbiene problemlos zu durchdringen sein müsste), doch es findet sich auch ein kleines Löchlein im Verschluss, das vielleicht von einer anderen Gichtwespe stammt. Das Weibchen hat einen deutlich sichtbaren Legebohrer.

Gichtwespe, Gasteruption, Weibchen auf der Suche nach dem Nest der Maskenbiene; 27.6.2012

 

Gichtwespe, Gasteruption, Weibchen über dem Nest der Maskenbiene; 27.6.2012

 

Das Männchen:

Gichtwespe, Gasteruption, Männchen; 11.7.2012

Literatur:

Amiet, Felix und Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweisen, Beobachtung, Bern/Stuttgart/Wien 2012.

Geschrieben am: 11. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Die Lehmwespe Ancistocerus nigricornis und die parasitierende Goldwespe Chrysis ignita ermöglichten mir tolle Dokumentationen. Die beiden Arten können in einem Jahr zwei Generationen durchleben, die was eine vergleichsweise vollständige Dokumentation erlaubt.

Wespenbestimmung ist nicht einfach und die Gattung Ancistrocerus enthält viele ähnliche Arten. Sicher zu erkennen ist A. nigricornis: als einzige Art ist sie im Frühling aktiv und hat ein schwarzes Rechteck auf dem ersten Tergit (Rückenplatte), das also auch einen gelben Rand hat und nicht vollständig schwarz ist. Im Verlauf es Sommers konnte ich noch eine weitere Art beobachten, die jedoch nicht ohne Weiteres zu bestimmen ist.

Chrysis ignita ist genau genommen kein Parasit, sondern ein Parasitoid: Das bedeutet, dass die Goldwespenlarve zwar die Wirtslarve/das Ei töten, sich aber nicht von ihr ernähren. Sie ernähren sich stattdessen vom Futtervorrat, der eigentlich für den Wirt gedacht war. Die Larven von Chrysis ignita brauchen tierische Kost und parasitieren Lehmwespen, für die beispielsweise Rüsselkäferlarven eingetragen werden.

Ein Weibchen der Lehmwespe Ancistocerus nigricornis trägt Baumaterial (Lehm) mit ihren Mundwerkzeugen zu ihrem Nest:

Ancistocerus nigricornis, Lehmwespe, Weibchen, trägt Baumaterial zu ihrem Nest; 27.4.2012

 

Die bunt schillernde Chrysis ignita parasitiert Ancistocerus, indem die Larve den Futtervorrat des Wirts frisst.

Chrysis ignita, Goldwespe; 4.7.2012

 

Chrysis ignita inspiziert in Abwesenheit der Lehmwespe das Nest und wartet auf den richtigen Moment für die Eiablage:

Chrysis ignita, Goldwespe, Weibchen, inspiziert in Abwesenheit der Lehmwespe das Nest; 27.4.2012

 

Die Lehmwespe trägt Futter, vermutlich Rüsselkäferlarven, ein (schemenhaft unter dem Wespenkörper zu erkennen):

Ancistocerus spec., Lehmwespe, Weibchen trägt Futter ein, 7.7.2012

 

Ancistocerus spec., Lehmwespe, Weibchen trägt Futter ein, 5.7.2012

 

Die (Käfer?)larve (=Futter) in der Nisthilfe.

Futter von Ancistocerus spec., Lehmwespe, 5.7.2012

 

Die Lehmwespe beim Bau der Zwischenwand für die Trennung der einzelnen Eier und ihrem Futter:

Ancistocerus spec., Lehmwespe, Weibchen beim Bau der Zwischenwand; 5.7.2012

 

Zwischenwand von Ancistocerus spec., Lehmwespe, 5.7.2012

 

Bereits im Juni schlüft ein Männchen von A. nigricornis, das größer als ein Weibchen ist, eine etwas andere Form und 13 (statt wie bei den Weibchen 12) Fühlerglieder hat. Es muss sich durch den von der Mutter erstellten Verschluss durcharbeiten:

Ancistocerus nigricornis, Lehmwespe, Männchen, frisch geschlüpft; 23.6.2012

 

Ancistocerus nigricornis, Lehmwespe, Männchen, frisch geschlüpft; 23.6.2012

 

Ancistocerus nigricornis, Lehmwespe, Männchen, frisch geschlüpft; 23.6.2012

 

Wenige Tage später schlüpft auch die erste Goldwespe:

Chrysis ignita, Goldwespe, kurz vor dem Schlüpfen; 27.6.2012

 

Chrysis ignita, Goldwespe; 27.4.2012

 

Chrysis ignita, Goldwespe; 23.6.2012

 

Literatur:

Amiet, Felix und Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweisen, Beobachtung, Bern/Stuttgart/Wien 2012.

Bellmann, Heiko: Biene Wespen Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas, Stuttgart 2005.

Geschrieben am: 9. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Mittwoch, 7. November 2012 - Leben im Insektenhotel

Wie schon im Winter beschrieben, habe ich ein Insektenhotel gebaut und das Jahr über fotografisch begleitet. Erfreulicherweise (und für mich überraschend) konnte ich schon im ersten Jahr trotz vergleichsweise schattiger Lage acht Arten und sieben Parasiten dokumentieren, was ja nicht ausschließt, dass es noch mehr sind. Insbesondere die Löcherbienen haben sich als wahre Baumeister entpuppt und so musste ich mehrfach mein Nisthilfenangebot aufstocken. In Folge des Erfolgs werde ich im kommenden Winter eine größere Nisthilfe bauen.

Außerdem habe ich zwei weitere Nisthilfen besucht und zahlreiche Hautflügler kennengelernt. Darunter auch Arten, die grundsätzlich eine Nisthilfe beziehen, ich bei mir aber (noch) nicht beobachten konnte, wie beispielsweise der Neozoe (eingewanderte Tierart) Isodontia mexicana, eine beeindruckende Wegwespe:

 

Isodontia mexicana, Männchen

 

Isodontia mexicana, Weibchen

 

In einein Bohrloch hat sich eine kleine Spinne gesichert und ein Nachtfalter verschlief einen Tag auf einem vorstehenden Röhrchen:

 

Nachtfalter

 

Nachtfalter

 

Und manchmal findet man nur noch den Verschluss, der aber auch oft eine Aussage über den Bewohner zulässt, wie z.B. in diesem Fall: Der großflächig verschmierte Verschluss stammt von einer Töpferwespe (Gattung Eumenes) und stammt vom Abbauen eines „Schornsteins“, der den Eingang zum Nest bildete.

Verschmierter Verschluss einer Töpferwespe

 

Es finden sich im Inernet zwar viele Abbildungen und Beschreibungen von Nisthilfen, doch nicht alle sind gut und richtig. Empfehlenswert sind die Seiten www.wildbiene.de. Hier geht es direkt zu einer vielfältigen Auflistung bzgl. Wildbienenschutz und Nisthilfen.

Außerdem ist die Seite von Paul Westrich und sein sehr schön gestaltetes Buch „Wildbienen – Die anderen Bienen“ zu empfehlen: www.wildbienen.info Das Buch hat weniger die Bestimmung im Blick, sondern gibt einen schön bebilderten Einblick in das vielfältige Leben der Wildbienen und in geeignete Nisthilfen. Einige typische Arten, die in den Nisthilfen nisten, werden auch vorgestellt.

 

Ich möchte nun nochmal wichtige Eigenschaften der Nisthilfen zusammenstellen, die ich beim Erstellen der ersten Nisthilfe selbst teilweise noch nicht wusste:

Holz: am besten Eiche oder Esche.

Bohrungen: 1mm bis 10mm, jeweils etwa 10x so lang wie breit (entspricht also etwa jeweils dem Bohrer)

Es kommt dem natürlichen Verhalten näher, von der Rinde ins Innere zu bohren, anstatt in die Jahresringe zu bohren (man stelle sich einen toten, noch stehenden Stamm vor). Es dürfen nicht zuviele Löcher sein, damit es nicht zur Rissbildung und in Folge zu Verpilzung oder Verletzung der Tiere kommt.

Ziegelsteine mit großen (meist eckigen) Löchern werden nicht angenommen. Sie dienen höchstens dazu, Röhren zu halten.

Die Röhrchen müssen hinten verschlossen sein (entweder durch einen natürlichen Knoten bei z.B. Bambus oder durch Watte), bei Lichteinfall werden sie nicht angenommen.

Die Nisthilfe sollte vor Regen geschützt und sonnig stehen.

 

√úber den zeitlich ersten Bewohner, die Mauerbiene Osima bicornis, berichtete ich schon einmal. In den nächsten Wochen werde ich hier jeden zweiten Tag einige Dokumentationen der anderen von mir fotografierten Arten in der Nisthilfe einstellen.

 

Literatur:

Amiet, Felix und Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas. Gattungen, Lebensweisen, Beobachtung, Bern/Stuttgart/Wien 2012.

Bellmann, Heiko: Biene Wespen Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas, Stuttgart 2005.

Westrich, Paul: Wildbienen. Die anderen Bienen, München 2011.

Geschrieben am: 7. November 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



Sonntag, 29. April 2012 - Die ersten Bewohner

Mauerbiene am Insektenhotel

 

Die wamen Tage lockten die ersten zukünftigen Bewohner zum Insektenhotel. Eine Bestimmung der Hautflügler ist oft schwierig und anhand von Fotos noch schwieriger, doch bei diesen ist die Bestimmung gelungen. Es handelt sich um die Mauerbiene Osima bicornis, gut zu erkennen an den zwei namensgebenden kleinen Hörnchen unter den Fühlern.

 

Anflug

 

Mauerbiene in einer Röhre

 

Die Röhren und Bohrungen werden sehr gut von Mauerbienen angenommen, die fleißig Pollen eintragen: Zunächst krabbelt die Biene mit dem Kopf voraus in ihre Röhre und gibt dort vermutlich Nektar ab. Dann kommt sie wieder heraus und krabbel rückwärts hinein und strampelt den Pollen in die Röhre ab, der Nahrungsvorrat für die Brut:

 

Eine Mauerbiene mit Pollen auf dem Weg zu ihrem Nest

 

Mauerbiene schaut aus ihrer Röhre und "strampelt Pollen" ins Innere

 

Kurz vor dem Verschließen mit Lehm konnte man hier schon den Pollen im Inneren sehen:

 

Pollen der Mauerbiene

 

In einem Röhrchen nistet Ancistocerus nigricornis, eine Wespe. Sie macht im Unterschied zur Mauerbiene einen ganz glatten Lehmverschluss und trägt Raupen als Futter ein.

Die Wespe Ancistocerus nigricornis im Anflug mit neuem Material zwischen den Mundwerkzeugen

 

A. nigricornis beim Deckelbau

 

Doch es ist noch spannender! Nicht nur Mauerbienen und Wespen sind da, es haben sich auch gleich mehrere passende Parasiten eingefunden, Goldwespen (aus der Gruppe Chrysis ignita), deren Hauptwirt A. nigricornis ist. Sie warten, bis die Wespe ihr Ei gelegt hat und wieder davon fliegt geht, um dann schnell und unbemerkt ihr eigenes Ei abzulegen. Diese Goldwespen sind sogenannte Parasitoide: Sie töten zwar das Wirtsei / die Wirtslarve, aber fressen sie nicht auf, sondern „nur“ den Futtervorrat.

 

Goldwespe, Parasit

 

Die Goldwespe am Eingang zur Röhre, in der die Wespe ihr Nest hat

Im gleichen Röhrchen scheint auch schon die Mauerbiene genistet zu haben….

 

Die Mauerbiene am Eingang zu ihrem Nest, im Hintergrund die parasitierende Goldwespe

 

 

Geschrieben am: 29. April 2012 von Magdalena in Insektenhotel. 0 Kommentare.



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